Der ein oder andere kennt es bestimmt noch von früher. Immer der Letzte zu sein, der gewählt wird. An der Reckstange wie ein nasser Sack dran gehangen oder beim 3000m Lauf immer hinterm Busch kurz Pause gemacht, während alle anderen vorbeigezogen sind. So oder so ähnlich ist vielleicht noch die Erinnerung einiger Eltern an
den Schulsport. Es sei denn, man hat zu den Sportlichen gehört. Dann war natürlich Sportunterricht das Beste vom ganzen Tag.
Durch die fortschreitende Technologisierung und dem damit verbundenen Bewegungsmangel, den die Berufe am Schreibtisch mit sich bringen, wird ein sportlicher Ausgleich in Zukunft immer wichtiger. Die Grundlage hierfür
wird im Kindes- und Jugendalter gelegt. Erfahrungen und Fähigkeiten, die hier gesammelt werden, besitzen einen großen Wert für den weiteren sportlichen Werdegang einer Person. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten diese zu fördern. Zum Einen der für alle zugängliche Schulsport und zum Anderen die Sportvereine mit ihrem sehr breiten Angebot an Sportarten. Im ersten Teil unser Blogreihe soll es vor allem um die Vor- und Nachteile im Schulsport gehen.

Vorteile Schulsport

#1 Schulsport ist für alle da

Egal aus welchem sozialen Umfeld Mädchen und Jungen kommen, der Schulsport ist für alle möglich.
Dadurch kommt jeder seit der ersten Klasse in Verbindung mit Sportarten, Spielen und generell Bewegung.

#2 Sachsen geht voran

In Sachsen ermöglicht eine Reform von 2006 den Lehrenden mehr Handlungsspielraum bei der Ausgestaltung
der Unterrichte. Im Bereich „Formen der neuen Spiel- und Bewegungskultur“ besteht die Möglichkeit Geräte
oder Sportarten zu integrieren, die auch zeitaktuell sind und somit das Interesse der Schüler stärker weckt, als es vielleicht bei anderen Sportarten der Fall ist. So kommen mittlerweile Geräte wie beispielsweise Slacklines oder Waveboards im Unterricht zum Einsatz.

#3 Alles an einem Ort

Alles unter „einem Dach“ zu haben ist für viele ein großer Vorteil. Kinder und Eltern haben somit keinen extra Aufwand im Vergleich zum Vereinssport.

 

Nachteile Schulsport

#1 Bildungswirrwarr

Lehrplangestaltung ist Ländersache. Das bedeutet, dass es auch im Schulsport 16 unterschiedliche Versionen
gibt. Nicht Berlin, sondern die Kultusministerien der einzelnen Bundesländer legen den Lehrplan fest und
somit kommen Schülerinnen und Schüler von Hamburg bis München und von Saarbrücken bis Dresden mit unterschiedlichen Inhalten in Kontakt. Auch der Lehrplanumfang unterscheidet sich stark von Bundesland zu Bundesland. Der Bildungsplan für die Jahrgangsstufen 5-10 in Bremen ist 21 Seiten lang, Baden Württemberg kommt mit 96 Seiten daher. (Lehrpläne Bundesländer – Sportschau)

#2 Noten- und Zeitdruck

So gut wie jeder Lehrinhalt endet mit einer Benotung der über einen gewissen Zeitraum erworbenen Fähigkeiten. Aufgrund der unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen wie technische Fertigkeiten, Ausdauer und Kraft kann unter Umständen der vorgegebene Zeitraum für den ein oder anderen zu knapp sein. Wenn man nun davon ausgeht und das Kind eine schlechte Note dafür erhält, kann die Motivation sinken und die Erinnerung an diese Sportart negativ behaftet bleiben. Was wäre aber wenn diese Person noch 3-4 weitere Wochen zur Verbesserung gehabt hätte?

#3 Qualität

Die DOSB Sprint Studie von 2006 (hier geht es zur Studie) fand schon vor 12 Jahren heraus, dass die Größe der
zu unterrichtenden Gruppe viel zu groß sei und die unzumutbaren räumlichen Verhältnisse (durch Teilung bzw. Mehrfachnutzung von gedeckten Sportstätten) den Sportunterricht stark beeinträchtigen. Wie hoch der Lern-
effekt für jeden einzelnen Schüler ist, wenn mehrere Klassen zusammengelegt werden, ist fragwürdig. Eine
eigene Beobachtung einiger Schulklassen beim Sport hat verdeutlicht, wie wenig sich ein Schüler tatsächlich im Sport bewegt. Nach unserer Beobachtung konnten 7-9 Minuten Bewegung in 45 Minuten Unterricht festgestellt werden. Die restliche Zeit wurde mit zuhören, warten und auf- oder abbauen verbracht.

 

Wenn man bedenkt, dass Bewegung ein Urinstinkt des Menschen ist, scheint es umso verwunderlicher wie „bewegungsfaul“ man mit zunehmenden Alter wird. Man sieht es bei jedem heranwachsendem Kind. Leider
schafft es unsere gesellschaftliche Ordnung dieses „Verlangen“ nach Bewegung durch die beruflichen Ansprüche immer weiter zu reduzieren. Den Bewegungsdrang aufrecht zu halten, weil es Spaß macht, sich vor allem im
Freien zu bewegen, sollte weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen.

Den Lehrern mehr Handlungsspielraum zu ermöglichen, um schneller auf sinnvolle Trends und die unterschiedlichen Voraussetzung der Schüler eingehen zu können, erscheint uns hier als sinnvoll. Jeglicher Entscheidungsprozess, der über das Kultusministerium führt, erweist sich als langwierig.

Welche Möglichkeiten es gibt, zusätzlich zum Schulsport aktiv zu sein und Spaß an Bewegung zu haben, vielleicht auch gerade weil man im Schulsport nicht so richtig mitkommt, dazu findet ihr mehr in unserem nächsten Beitrag: Young BootCamp – Spaß, Teamwork & Motivation.